Gemeinsam hat man vor vielen Jahr-zehnten ein Einfamilienhaus gebaut und es viele Jahre bewohnt. Irgendwann wurde es aus zahlreichen Gründen notwendig, die gewohnte Umgebung zu verlassen. „Es ist für die Bewohner:nnen der Häuser eine extrem emotionale Entscheidung, die sie hier treffen müssen“, sagt Robert Haubiz, Geschäftsführer s REAL Kärnten: „Oftmals ist es mehr eine erzwungene als eine freiwillige Entscheidung, weil die Menschen nicht mehr alleine in dem Haus wohnen können.“ Die Gründe, das eigene Haus zu verlassen, sind genauso vielfältig wie die Erinnerungen und die Emotionen. „Die Menschen können sich nur sehr schwer emotional lösen“, spricht Robert Haubiz aus Erfahrung: „Sie haben noch die gefühlsmäßige Bindung zum Gebäude.“ Es sind die Gedanken und die Erinnerungen, die oft die Tatsache verdrängen, dass man im Alter die Aufgaben im Haus nicht mehr bewältigen kann. Das ist teilweise nicht nur physisch, sondern auch psychisch eine Herausforderung. Zudem kommt noch die Tatsache, dass viele der Einfamilienhäuser tiefgreifend saniert gehören – die jetzigen Bewohner:innen wollen sich diese Aufgabe nicht mehr antun. Das heißt, sie müssen sich mit dem Thema eines Umzugs auseinandersetzen.
Der Verkauf eines Hauses ist für ältere Menschen jedoch eine große Hürde. „Neben der emotionalen Belastung, das vertraute Zuhause aufzugeben, fühlen sich viele von den organisatorischen Anforderungen eines Verkaufsprozesses überfordert“, sagt Ingmar Schwabl, Geschäftsführer s REAL Tirol. Das beginnt bei der realistischen Bewertung des Hauses und dem Umgang mit bürokratischen Themen wie Grundbuchauszügen, Energieausweisen und rechtlichen Unterlagen. Hinzu kommt häufig die Unsicherheit im Umgang mit Kaufinteressent:innen und Verkaufsverhandlungen.
Auch die Frage nach der zukünftigen Wohnsituation stellt eine zusätzliche Belastung dar, sei es der Umzug in eine kleinere Wohnung, ins Betreute Wohnen oder zu Familienangehörigen. Ingmar Schwabl: „Einfühlsame und umfassende Beratung durch eine Makler:in kann hier helfen, Ängste abzubauen und den Prozess transparent zu gestalten.“
Mit dem Verkauf beginnt für die Makler:in in den meisten Fällen die Suche nach einer neuen Immobilie. „Unsere Kund:innen brauchen dabei Rechtssicherheit, aber auch eine professionelle Begleitung, um diese schwierige Entscheidung zu treffen“, erklärt Roland Jagersbacher, Geschäftsführer s REAL Steiermark: „Man gibt ein langjähriges Zuhause auf, das mit vielen Erinnerungen verbunden ist und große Veränderungen im fortgeschrittenen Alter müssen gut geplant werden.“ Meistens ist der Umzug in ein neues Heim mit zwei Wünschen bzw. Erwartungen verbunden: erstens weniger Sorgen und Arbeit zu haben und zweitens ein finanzielles Polster zu schaffen. Die neue Wohnung sollte definitiv nach den Wünschen der Ausziehenden gestaltet sein. „Barrierefrei, zwei bis drei Zimmer, eine kleine Außenfläche“, sind laut Robert Haubiz die Grundelemente und dank des österreichweiten Netzwerks der s REAL ist die Suche nach einem neuen Zuhause meistens erfolgreich, auch wenn derzeit die Nachfrage relativ groß ist.
Die Interessentengruppe für die Einfamilienhäuser ist relativ groß. Zielgruppe sind Angehörige der sogenannten Erbgeneration - Personen, die durch familiäre Vermögensübertragungen genügend Kapital zur Verfügung haben, um ältere Immobilien zu erwerben und umfassend zu modernisieren. „Durchaus auch junge Familien, für die der klassische Hausbau nicht finanzierbar ist“, sagt Ernst Mittermair, Geschäftsführer der s REAL Oberösterreich: „Umbau, Ausbau bzw. Sanierung und Renovierung sind kein Schreckgespenst.“ Vor allem besteht in vielen Fällen von Anfang an die Möglichkeit, bereits im neuen Zuhause zu wohnen. Roland Jagersbacher: „Vorerst wird einmal gekauft und dann später im Verlauf wird das neue Zuhause nach und nach renoviert bzw. in den Zustand gebracht, den man sich vom neuen Haus wünscht.“ Ingmar Schwabl ergänzt: „Nicht zuletzt ermöglichen diese Immobilien ein hohes Maß an individueller Gestaltung. Die neuen Eigentümer:innen können die Häuser nach persönlichen Vorstellungen sanieren und den aktuellen Wohnstandards anpassen, sei es durch offene Grundrisse, moderne Badezimmer oder energieeffiziente Technik. Sanierungsschritte können der Leistbarkeit bzw. Finanzierbarkeit angepasst werden. Eigenleistung kann eingebracht werden und oft muss nicht alles sofort gemacht werden. Allerdings weist Ernst Mittermair auf eine riesige Herausforderung hin: die realistische Einschätzung des Sanierungsaufwands! „Die Einbindung von branchenkundigen externen Berater:innen wie Bau-SV oder Professionist:innen wird von unserer Seite immer unterstützt, empfohlen bzw. möglich gemacht“, bietet Ernst Mittermair stellvertretend für alle Kolleg:innen Hilfe an.
Ein genauer Blick auf die Bausubstanz ist in jedem Fall essenziell. Ganz wichtig ist bei älteren Häusern, dass die Bausubstanz im Kern gut erhalten ist. Man sollte also vor dem Kauf noch zur Besichtigung einen Bausachverständigen heranziehen, um den Gebäudezustand zu überprüfen. Roland Jagersbacher: „Dabei geht es nicht um kleine Mängel, die bei einem älteren Haus ganz normal sind, sondern um die Bausubstanz selbst.“ Besonders relevant sind Dämmung, Elektrik und Wasserleitung, Heizsystem, Feuchtigkeitsschäden. „Neben technischen Aspekten spielen auch rechtliche Fragen eine Rolle“, weist Ingmar Schwabl auf ein wesentliches Thema hin: „Beispielsweise mögliche Belastungen im Grundbuch, Dienstbarkeiten, Erschließung, Baubescheide, Reallasten oder bestehende Bebauungsvorschriften.“ In jedem Fall sollte ein Profi hier zurate gezogen werden. Eine Makler:in, die sich seit Jahren mit diesen Themen befasst, erkennt auf einen Blick ins Grundbuch, wie sich die Situation darstellt. Denn einmal gekauft, ist man als Eigentümer:in in jedem Fall an die grundbücherlichen Einträge und Verpflichtungen gebunden.
Die Häuser befinden sich oftmals in sehr guten Lagen. Vor Jahrzehnten vielleicht noch etwas abgelegen, liegen sie „häufig in etablierten Wohngegenden mit gewachsener Infrastruktur, also Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Verkehrsanbindungen“, erklärt Ingmar Schwabl. Neben der Lage weisen die Häuser noch ein absolutes Plus auf, denn in vielen Fällen waren
die Grundstücke damals noch ein gutes Stück größer und haben über die Jahre ihren eigenen Charakter entwickelt. „Sehr oft gibt es auch einen alten Baumbestand, der dem Garten einen Charme verleiht, auf den man bei neuen Objekten viele Jahre warten muss“, weist Roland Jagersbacher auf diese Besonderheit hin. Aber nicht nur der Garten ist gewachsen, sondern auch „das soziale Umfeld ist oft gefestigt und zeichnet sich durch eine ruhige, familien-freundliche Nachbarschaft aus“, so Ingmar Schwabl: „Viele neue Bewohner:innen schätzen den Charme älterer Siedlungen mit gewachsenem Umfeld.“ Damit steht einem neuen Leben auch für die Käufer:innen nichts mehr im Weg.